News

Freitag, 20. Juli 2018
11 August 2008
Tolle Show, super Stimmung
von Ralf Schreiner

Dinslaken (RP) Jim Morrison ist tot. Die Dire Straits gibt‘s nicht mehr. Die Stones sind zu teuer. Macht nichts. Auch Coverbands sorgen für Partystimmung. Zum Auftakt des Fantastivals schickte die Freilicht AG gleich drei an den Start.

Die Back Doors Man zeigen nicht nur außerordentliche Spielfreude. Sie legen auch Wert auf Authentizität. Das psychedelische Jaulen der Orgel, der fette Bass, das knochentrockene Schlagzeug – alles wie damals, alles wie bei den Doors. Frontmann Wolfgang Ecker wirbelt als reinkarnierter Jim Morrison durch den wabernden Bühnennebel, fällt plötzlich um, wälzt sich in gespielter Agonie auf dem Boden, schnellt wieder hoch, tanzt mit ausgebreiteten Armen den Schamanen. Er springt ins Publikum, küsst die Frauen wie Jim, wispert wie Jim, kreischt wie Jim und schleudert ein „L.A. Woman“ und „Break on through“ mit einer solchen Wucht von der Bühne, dass auch der coolste Nostalgiker es ehrlich bedauert, so spät geboren zu sein, dass er eine der größten Rockbands der Welt niemals hat live erleben können. Nach 60 Minuten ist alles vorbei. Nicht mal eine Zugabe gibt‘s. Zu eng ist der Zeitplan.

Die „Dire Strats“ stehen bereits in den Startlöchern, um zu zeigen, dass es nur ein einziger Buchstabe ist, der sie von ihren berühmten Vorbildern unterscheidet. Das Gefrotzel auf den Zuschauerrängen – „die sehen ja aus wie die Flippers“ – verstummt schnell. Auch in braven Hemden kann man gute Musik spielen. Die Jungs aus Bremerhaven beweisen es. Für die nächste Stunde ist Staunen angesagt, Tanzen, Mitsingen, Partystimmung. Dass ein Gitarrist von der Waterkant Mark Knopflers Fingerkuppenübungen auf der Stratocaster derart genau zu kopieren versteht, zählt zu den großen Überraschungen des Abends. Die von Wolfgang Uhlich exakt arrangierten Gitarrenparts verführen immer wieder dazu, für einen Moment die Augen zu schließen, um sich der schönen Illusion hinzugeben, Mark selbst ist es, der da mit filigranem Fingerpicking die „Sultans auf Swing“ durch die Nacht treibt und sein „Money for Nothing“ in den Himmel über Dinslaken schickt.

Kräftiger Applaus, eine Zugabe und Bühne frei für Frank. Der gab früher in der Blues Brothers Revival Band den Elwood. Jetzt macht er den Mick. Und wie.

Die Rolling Stones Tribute Band wuchtet eine Show auf die Bühne, die die Stones während ihrer „Forty Licks“-Tour in kleineren Clubs gespielt haben. Das hat den Vorteil, dass nur wenig neuer Stoff zu hören ist und um so mehr von den alten Krachern aus den 60ern. „Honky Tonk Woman“, „You can‘t always get what You want“, „Midnight Rambler“, „Sympathy for the devil“ und andere Klassiker des Dreamteams Jagger/Richards stehen auf der Setliste, die druckvoll abgearbeitet wird. Pete Fädrich und Markus Exner liefern sich – ganz in der Tradition der alten Haudegen Ron Wood und Keith Richards – glanzvolle Gitarrenduelle.

Josef Kirschgen macht am Schlagzeug mehr Dampf als der graue Charlie zu seinen besten Zeiten. Sänger Frank Henkes sprintet als Mick Jagger durch den Rock ’n’ Roll-Zirkus. Jede Pose sitzt. Da schwingt der Zeigefinger, da schwillt die Lippe, da gibt es leidenschaftlichen Rock aus der Röhre. Es wird gesprungen und gezappelt und gerannt, bis der Schweiß in den Kies tropft. Tolle Show, super Stimmung. Schade nur und auch ein wenig unverständlich, dass bei der Zugabe die Regler runter gezogen werden. Die Anwohner sind eh noch wach. Und „Jumpin‘ Jack Flash“ mit gebremstem Schaum klingt einfach fade.


(Quelle: Rheinische Post, 11.08.2008)
© Markus Exner 2005 - 2018 Home  News  Biografie  Diskografie  Fotos  Kontakt  up
Impressum | Datenschutzerklärung |  powered by: BHS - MEDIEN |  V1.07c - 2007 © Markus Exner 2005 - 2018