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Freitag, 20. Juli 2018
01 April 2008
Acoustic Aura goes to Hamburg oder: “Wie man nicht zum Spielen kommt”
An einem frühlingshaften Samstagmorgen im März 2008 machten wir uns auf den Weg zu einem Auftritt mit Acoustic Aura nach Hamburg. Das erste Problem war das Navigationssystem, das uns überall hinführte, nur nicht auf dem schnellsten Wege nach Hamburg, stattdessen lotste es uns quer durch Münster. Nach schlappen fünfeinhalb Stunden erreichten wir dann endlich Hamburg – besser gesagt eine ganze Menge Vororte von Hamburg. Das Navi versuchte uns zu erklären, dass die Hausnummer unseres Hotels auf der eingegebenen Strasse nicht existiert. So fuhren wir die Einbahnstrassen solange ab, bis wir tatsächlich vor unserem Hotel standen. Im 6. Stock hatte ich das Zimmer 604 mit dem besten Ausblick bekommen, nämlich auf das hinter dem Hotel gelegene Industriegebiet. Kaum angekommen ging es schon wieder weiter zum Auftrittsort, bzw. das Navigationssystem wollte uns wieder woanders hinführen.

Parkplätze sind auch in Hamburg Mangelware, und so stellten wir uns mitten auf eine Seitenstrasse um unsere Instrumente auszuladen. Wir sollten im Restaurant “Parlament im Rathaus” in Hamburg spielen anlässlich der “HBL-Party”. Zunächst gewährte man uns keinen Einlass an der geschlossen Eingangstüre. Unsere Klopfgeräusche wurden lauter und aggressiver bis uns nach ca. 10 Minuten einer der Mitarbeiter endlich die Tür öffnete. Nach dem Soundcheck gingen wir durch die Küche nach draußen und machten einen Bummel durch Hamburg, wobei wir zwei der letzten CD´s “Stark wie Zwei” von Udo Lindenberg ergatterten (Foto). Nach anschließendem Imbiss in einem italienischen Restaurant mit Steaks, die wie Schuhsohlen schmeckten, ging es kurz zum Umziehen ins Hotel zurück.

Mit dem Taxi fuhren wir dann wieder zum “Parlament”, wo wir uns ab sieben bereithalten sollten. Backstage gab es Wasser und Apfelschorle. Wir unterhielten uns mit “Obel”, der auch einen Auftritt an diesem Abend hatte, bis zum Mittag aber nicht wusste, dass es vor ihm noch einen Überraschungsgast (nämlich Dieter Nuhr) geben wird. Nach der Ansage der Moderatorin, die uns mit “Akustik Lustig” ankündigte, spielten wir ruhige Akustikmusik (u.a. “Streets Of London”, “´74-´75”, “Kayleigh” und “Wish you were here”) zum Dinner, wobei uns wie erwartet keiner zuhörte, da die Gäste mit Essen, Quatschen, lautem Quatschen und Besteck fallen lassen beschäftigt waren. Unser richtiger Auftritt sollte ja erst gegen zwölf Uhr nachts stattfinden. Wir hatten uns als letzter Act des Abends etwas ganz besonderes ausgedacht, wir spielen schöne Songs wie “Chasing Cars” (Snow Patrol), “Heroes” (David Bowie), “The Wall” (Pink Floyd), “Layla”, “Wonderful Tonight” (Eric Clapton) und als Zugabe “Shine On You Crazy Diamond” (ebenfalls Pink Floyd). Der Clou dabei war, dass wir Playbacks dabei hatten, auf denen der Gesang und die Gitarre fehlten, so dass wir dazu singen und spielen konnten. Das hatten wir auch die Tage davor fleissig geübt.

Dass die Gruppe Wind an diesem Abend das Highlight war, damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Sie spielten ein Abba-Medley, ein Dschingis-Khan-Medley sowie ihren Hit “Lass die Sonne in dein Herz” und ein paar Zugaben, die ich auch nicht kannte. Das Publikum war schwer in Tanz- und Feierlaune und wir sahen keine Chance, die Stimmung halten zu können. Ganz egal was wir auch gemacht hätten, es wäre nach hinten losgegangen. Ich hatte mir just meine Gitarre umgehängt, als der Veranstalter an uns herantrat, ob wir nicht etwas “fetziges” im Programm hätten, wir könnten auch gerne zu einem Vollplayback singen – von Gitarre spielen hat er dabei nichts erwähnt. Nun ja, wir packten unseren Kram wie geprügelte Hunde zusammen und flohen durch die Küche nach draußen. Mit dem Taxi ging es zurück zum Hotel, wo wir uns an der Hotelbar gegenseitig unser Leid klagten, ehe wir in unseren Zimmern verschwanden.

Am nächsten Tag wollte ich schlau sein und ging gegen halb zehn zum Frühstück – diese Idee hatten anscheinend auch alle anderen Hotelgäste, denn der Frühstücksraum war dermaßen überfüllt, dass das Personal mit Kaffee und Tee nicht hinterherkam. Dem Sänger war das alles zu früh. Nach dem Frühstück checkten wir aus und gingen am Alsterufer spazieren, wo wir uns fast mit einem Obdachlosen angelegt hätten, der uns unaufgefordert folgte. Bevor wir zu einer Besichtigung des Hamburger Hafens aufbrechen wollten, machten wir noch einen Abstecher in das Hotel Atlantic, wo auch Udo Lindenberg residiert – und zwei Bier zehn Euro kosten. Zum Abschluss hat mir am Hamburger Hafen dann eine Möwe auf die Jacke geschissen.
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